Heizkessel-App statt Brennstoffkunde

Im neuen Hoval-Trainingszentrum in Aschheim bei München können Installateure, Hausbesitzer und Industriekunden ab sofort das Vollsortiment an Heiz- und Klimasystemen in Betrieb anschauen, anfassen und testen. Foto: Hoval GmbH

Der Heizungsmarkt entwickelt sich rasant. Die staatliche Berufsbildung hält mit der Entwicklung nicht mehr Schritt. Heizungsbaufirmen verlassen sich bei der Qualifizierung ihrer Mitarbeiter deshalb verstärkt auf das Schulungsangebot der Hersteller.

erschienen in Pellets – Markt und Trends

Promi-Koch Alfons Schuhbeck stand persönlich am Herd: Mit zahlreichen Gästen aus Wirtschaft und Politik feierte der Liechtensteiner Heiz- und Klimatechnikanbieter Hoval im Oktober 2013 die Eröffnung seines neuen Trainingszentrums in Aschheim bei München. Im Trainingszentrum mit seinen angeschlossenen Ausstellungsräumen sind sämtliche Hoval-Anlagen installiert. Installateure, Hausbesitzer und Industriekunden können ab sofort das Vollsortiment an Heiz- und Klimasystemen in Betrieb anschauen, anfassen und testen. Rund 1 Mio. € hat das Unternehmen ausgegeben, um Fachhandwerker und Vertriebspartner künftig praxisnah schulen zu können.

Ähnlich wie Hoval haben viele Hersteller ihr Schulungsangebot in den vergangenen Jahren ausgebaut und professionalisiert. Mit einem Anteil von 18 % an allen externen Weiterbildungsstunden sind Herstellunternehmen nach privaten Trainingsinstituten (38 %) und Wirtschaftsorganisationen (21 %) in Deutschland mittlerweile der drittgrößte Anbieter betrieblicher Fortbildung. Zu dem Ergebnis kommt eine europäische Erhebung zur betrieblichen Weiterbildung. Kein Wunder – fällt es doch staatlichen Berufsbildungseinrichtungen wegen der immer kürzer werden den Innovationszyklen zunehmend schwer, Schritt mit der technischen Entwicklung zu halten.

Angebot und Nachfrage verändern sich

Über die simple Einführung in die Heizanlagentechnik gehen die Schulungsinhalte der Kesselhersteller längst hinaus. Fast alle bieten ein breites Fortbildungsangebot, das neben Installations-, Inbetriebnahme- und Wartungsschulungen für Installateure auch Verkaufs- und Marketingseminare für Vertriebsmitarbeiter und Fachhändler sowie Planungs- und Biomassekurse für Architekten und Energieberater umfasst. Große Anbieter unterhalten gut ausgestattete Schulungszentren.

Mit der Etablierung von Pelletsheizungen haben sich die Seminarinhalte und die Teilnehmer verändert. Ging es früher darum, Neueinsteiger erst einmal mit dem Brennstoff vertraut zu machen, stehen heute immer häufiger Profi-Themen wie Hydraulik und Regelung oder praktische Übungen am Kessel auf dem Stundenplan. So veranstaltet beispielsweise der österreichische Kesselhersteller ETA Heiztechnik gleich mehrere Kurse zu seiner Kommunikationsplattform „meinETA“, mit der sich Heizkessel über einen Computer, ein Smartphone oder ein Tablet-PC von jedem Ort aus via Internet steuern lassen.

„Reine Grundlagenschulungen bieten wir Heizungsbauern wegen mangelndem Interesse gar nicht mehr an“, sagt Beate Schmidt, Geschäftsleitungsmitglied bei Ökofen. Zwar gibt es immer noch genügend Technikanfänger – bei Ökofen sind das oft frisch eingestellte Monteure von langjährigen Vertriebspartnern – gleichzeitig aber auch immer mehr alte Hasen, die schon lange Pelletsheizungen einbauen. Der Erfahrungsaustausch mit Kollegen rückt bei Seminaren deshalb in den Vordergrund. Für solche Spezialisten veranstaltet der österreichische Kesselhersteller auch schon mal exklusive Produktschulungen, die den Weg ins reguläre Kursprogramm gar nicht finden.

Anfängern und Profis will Ökofen künftig noch mehr Routine mit den angebotenen Produkten vermitteln. Der Kesselhersteller mit eigener Akademie und acht deutschen Schulungsstandorten hat in Mickhausen bei Augsburg einen zusätzlichen Schulungsraum eröffnet und bietet dort Heiztechnik zum Anfassen. Handwerker können im Rahmen einer neuen Technikschulung die Montage und Wartung von Kesseln trainieren, den Aufbau von Gewebetanks üben und alle anlagenrelevanten Teile in Ruhe unter die Lupe nehmen.

Hintergrundwissen wird wichtiger

Lediglich fit in der Technik zu sein, reicht heute nicht mehr aus, um Pelletsheizungen erfolgreich zu verkaufen. Heizungsbauer müssen auch über die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen auf dem Laufenden sein, um die Fragen von verunsicherten Endkunden beantworten zu können. „In unseren Schulungen greifen wir zeitnah aktuelle Entwicklungen im Bereich der Energieeinsparverordnung (EnEV), der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung oder dem Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien auf. Es ist wichtig, dass diese Informationen über die Multiplikatoren – also die Schulungsteilnehmer – beim Endkunden ankommen“, sagt Ulrich Seidel, Referent der Geschäftsleitung beim Ofenhersteller Wodtke. „Die Teilnehmer bei Seminaren sehen wir als Meinungsmacher, bei denen es wichtig ist, dass Hintergrundwissen vorhanden ist“, unterstreicht ETA-Schulungsleiter Manfred Franzmair.

Zu einer immer wichtigeren Schlüsselperson bei der Installation und dem Betrieb von Pelletsheizungen werden Schornsteinfeger, für die einige Hersteller inzwischen spezielle Seminare veranstalten. Mit der zweiten Stufe der novellierten 1. Bundesimmissionsschutzverordnung treten 2015 strengere Grenzwerte für Staubemissionen in Kraft. „Wir können die Einhaltung der Werte nur gemeinsam mit dem Endkunden und dem Schornsteinfeger erreichen. Schornsteinfeger sollten deshalb mit den Besonderheiten von Pelletsfeuerungen vertraut sein“, sagt Franzmair.

Aufwand zahlt sich für die Hersteller aus

Im Unterschied zu privaten und öffentlichen Bildungsanbietern führen Kesselhersteller ihre Schulungen häufig kostenlos oder gegen einen geringen Unkostenbeitrag durch. Oft tragen sie zudem die entstehenden Übernachtungskosten und bieten Extras wie Werksführungen oder ein Abendprogramm an. Zur Durchführung der Schulungen setzt HDG Bavaria z. B. zwischen acht und zehn Mitarbeiter ein. Allein das Erstellen des jährlich neu erscheinenden Seminarprogramms kostet die Firma eine Mannwoche.

Macht sich das Engagement der Kessel- und Ofenproduzenten angesichts des hohen Aufwands überhaupt bezahlt? „Ja“, sagt Klaus Neuner, der bei HDG Bavaria das Schulungsangebot verantwortet. „Für uns als Hersteller zahlt es sich dahingehend aus, dass geschulte Heizungsbauer die Anlagentechnik anschließend zu aller Zufriedenheit umsetzen und daher auch Spaß am Verkauf und Einbau unserer Produkte haben.“ Für die Heizungsbauer lohne es sich, da sie Kunden selbstbewusst gegenübertreten und Produkteigenschaften kennen würden sowie Anlagen richtig planen, montieren und fachmännisch in Betrieb nehmen könnten.

„Der Aufwand für die Schulungen lohnt sich, da wir dadurch sicherstellen, dass unsere Pellet-Primärofen-Technik fachgerecht eingebaut wird“, bestätigt Wodtke-Mitarbeiter Seidel. Manfred Franzmair von ETA ist ebenfalls zufrieden. „Wir hatten 2013 einen sehr guten Zulauf und konnten dadurch auch unseren Umsatz steigern.“ Mit der Leitung und Organisation der Seminare sind bei ETA zwei Mitarbeiter ausgelastet. Technikseminare führen Kundendiensttechniker aus dem eigenen Haus durch, die direkt aus der Praxis kommen. Damit es personell nicht klemmt, legt das Unternehmen seine Seminare gerne auch mal in Zeiten, wenn die Kundendienstmitarbeiter nicht so nachgefragt werden.

„Unser Schulungsangebot macht natürlich einen erheblichen Aufwand. Aber ohne umfangreiche geschulte Partnerbetriebe können wir unseren Qualitätsanspruch nicht in den Markt bringen“, sagt Frank Schönfelder, Marketingleiter bei KWB Deutschland. Die technischen Schulungen würden hauptsächlich angenommen und seien regelmäßig ausgebucht. Bei KWB Österreich erarbeiten zwei ausschließlich für die Schulungen verantwortliche Mitarbeiter die Kursinhalte der unternehmenseigenen Partnerakademie – auch indem sie marktspezifische Rückmeldungen aus den Tochtergesellschaften aufgreifen. In Deutschland arbeiten pro Niederlassung mindestens zwei Mitarbeiter für die Akademie. Eine Person kümmert sich um die Organisation der Schulungen, eine andere führt sie durch. Für Spezialtrainings, die KWB erfahrenen Installateuren anbietet, sind besonders geschulte Mitarbeiter zuständig.

Als Ergänzung zu den Herstellerschulungen und um das Thema Pellets in die Breite zu tragen, bietet das Deutsche Pelletinstitut (DEPI) seit vier Jahren die produktneutrale Fortbildung „Fachbetrieb Biomasse und Pellets“ an. Handwerker, die sich zertifizieren wollen, müssen eine Technikschulung bei einem Heizkesselhersteller nachweisen. Haben die Herstellerschulungen dadurch mehr Zulauf bekommen? „Vor zwei bis drei Jahren ist es vereinzelt vorgekommen, dass Heizungsbauer genau aus diesem Grund eine Schulung bei uns besucht haben. Im vergangenen Jahr war das überhaupt kein Thema“, antwortet Neuner von HDG Bavaria. „Bis die Fachbetriebsschulung auch die Pelletslaien unter den SHK-Handwerkern auf unsere Schulungen lockt, müssen wir uns aus meiner Sicht noch etwas gedulden“, sagt KWB Deutschland-Marketingleiter Schönfelder. Die Teilnehmerzahl bei Ökofen-Schulungen habe sich durch das DEPI nicht erhöht, erklärt Ökofen-Geschäftsleiterin Beate Schmidt. „Bei uns läuft es eher andersherum: Wir empfehlen unseren Seminarteilnehmern, sich als Fachbetrieb zertifizieren zu lassen.“

Almut Bruschke-Reimer

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