Von der Energieschleuder zum Niedrigenergiehaus

Foto: Michael Felkner

Wohnen, wo andere Ferien machen: Als das Ehepaar Huber (*) 2014 ein neues Domizil für sich und die beiden Söhne fand, war die Freude groß. Das Zweifamilienhaus im idyllischen Örtchen Oy-Mittelberg im Allgäu hatte jedoch einen gravierenden Nachteil: Der Altbau mit Ölheizung verschlang 304 Kilowattstunden Heizenergie pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m2a).

erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Im Durchschnitt verbrauchen Wohngebäude in Deutschland 177 kWh/m2a. Effiziente Neubauten liegen weit darunter. Die Familie wandte sich an Architekt Michael Felkner aus Waltenhofen-Oberdorf, der schon zahlreiche Gebäude energetisch saniert hat. Der rechnete den Hubers vor, dass allein die fehlende Dämmung der Außenwände, der Kellerdecke und des Dachs künftig mehr als 4000 Euro Heizkosten pro Jahr verursachen würde. Da eine Renovierung der Fassade sowieso bald fällig gewesen wäre und ein Dachausbau geplant war, entschloss sich die Familie, auch die Wärmedämmung gleich mit in Angriff zu nehmen.

Ältere Immobilie, schlechter Bauzustand

Dass sich die Entscheidung auszahlt, zeigen Untersuchungen der Deutschen Energie-Agentur. Demnach rechnet sich die energetische Sanierung bei selbstgenutzten Häusern, wenn sie ohnehin instand gesetzt werden müssen. Als Faustregel gilt: Dämmung ist wirtschaftlich interessant, je älter die Immobilie und je schlechter der Bauzustand ist. „Wenn an einer Hausfassade der Putz bröckelt und dringend ein neuer Anstrich und Ausbesserungsarbeiten erforderlich sind, dann ist dies der richtige Zeitpunkt für eine Wärmedämmung der Fassade.

Die Kosten für das Gerüst und Ausbesserungsarbeiten würden sowieso zur Instandhaltung anfallen, die zusätzlichen Kosten für eine Wärmedämmung mit einer Stärke von 16 bis 30 Zentimeter hingegen lassen sich über die eingesparte Energie leicht wieder refinanzieren“, sagt Martin Sambale, Geschäftsführer des Energie- und Umweltzentrums Allgäu (eza).

Um die Wärmeverluste zu reduzieren, packten die Hubers die Außenwände ihres Hauses mit einem 20 Zentimeter dicken Wärmedämmverbundsystem aus Polystyrol ein. Die Kellerdecke wurde auf der Unterseite mit Polyurethanhartschaum verkleidet. Das neu ausgebaute Dachgeschoß hat eine Aufdachdämmung erhalten. Dafür wurden 28 Zentimeter hohe Balken auf die bestehenden Balken aufgebracht und in den entstandenen Zwischenraum Zelluloseflocken eingeblasen.

Gerne hätte die Familie auch die Außenwand mit natürlichen Materialien gedämmt. Doch die Mehrkosten hätten das finanzielle Budget gesprengt. Da der bisherige Hausbesitzer bereits 2010 neue Fenster mit einem akzeptablen Dämmstandard eingebaut hatte, mussten diese nicht mehr ausgetauscht werden. „Heutiger Standard sind zwar Fenster mit einer Dreifachverglasung, sprich – drei Glasscheiben deren, Zwischenraum mit einem Edelgas gefüllt ist, aber ein Austausch der Fenster hätte sich nicht gerechnet“, sagt Felkner.

79 800 Euro in die Wärmedämmung investiert

In die Modernisierung hat Familie Huber 118 500 Euro investiert. 38 700 Euro wären für die Instandhaltung sowieso angefallen. Dazu zählen Kosten für die Putz- und Malerarbeiten, das Gerüst oder neue Dachrinnen. Durch die Mehrkosten von 79 800 Euro für die Wärmedämmung konnten die Heizkosten von jährlich 4750 Euro auf 650 Euro gesenkt werden. Nach 15 Jahren summiert sich die Einsparung auf 61 500 Euro – ein Großteil der energiebedingten Sanierungskosten.

Finanziell greift den Hubers zudem der Staat unter die Arme. Da das Haus auf den KfW-Effizienzhaus-Standard 70 gebracht wurde, erhielten sie von der KfW im Programm „151 Energieeffizient sanieren – Kredit“ nicht nur ein Darlehen zum verbilligten Zinssatz von 0,75 Prozent, sondern zusätzlich einen Tilgungszuschuss in Höhe von 17,5 Prozent der Kreditsumme. Das sind allein knapp 14 000 Euro für den Anteil der energetischen Mehrkosten.

„Modernisierer sollten kein Geld verschenken und die öffentliche Förderung unbedingt in Anspruch nehmen“, rät Architekt Felkner. Hausbesitzer, die vom KfW-Programm 151 profitieren wollen, müssen allerdings einen qualifizierten Sachverständigen aus der Expertenliste für Förderprogramme des Bundes (www.energie-effizienz-experten.de) mit der Begleitung der Sanierung beauftragen. Die KfW gewährt dafür jedoch einen Zuschuss von bis zu 4000 Euro. „Schon im Planungsstadium einen Energieberater zu engagieren zahlt sich aus. Nur er kann beurteilen, ob eine Teilsanierung oder die Dämmung zum KfW-Effi­zienzhaus Sinn macht und ob sich das Vorhaben rechnet“, sagt Felkner.  (*) Name geändert

Almut Bruschke-Reimer

Originalartikel in der FAZ