Vorhang auf für grüne Anleihen

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Immer mehr Investoren wollen ihr Geld verantwortungsbewusst einsetzen. Gegenüber 2013 hat sich der weltweite Markt für grüne Anleihen mehr als verdreifacht. Seit knapp einem Jahr sind auch deutschen Förderbanken mit Green Bonds am Kapitalmarkt vertreten. Die Emissionserlöse fließen in Umwelt- und Klimaschutzprojekte.

erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Über ein Jahrhundert lang galt sie als Kloake des Ruhrgebiets: Ein Renaturierungsprogramm soll aus der Emscher – Deutschlands schmutzigstem Fluss – bis zum Jahr 2020 wieder ein naturnahes Gewässer machen. Auf rund 4,5 Milliarden Euro belaufen sich die Kosten der Gewässersanierung und des Baus von 400 Kilometern Abwasserkanälen. Die am Projekt beteiligten Gemeinden müssen die Kosten jedoch nicht alleine stemmen. Ein Teil der finanziellen Mittel stammt aus dem Green Bond 2013 der NRW.Bank.

Die zweitgrößte Förderbank Deutschlands hat die Öko-Anleihe mit einem Volumen von 250 Millionen Euro und einer Laufzeit von vier Jahren Ende vergangenen Jahres auf den Markt gebracht. Zielgruppe sind Anleger aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz, die in eine saubere Umwelt investieren wollen. „Wer in den NRW.Bank Green Bond 2013 investiert, finanziert sauberes Wasser und grüne Energie für Nordrhein-Westfalen“, sagt Dietmar P. Binkowska, Vorsitzender des Vorstands der NRW.Bank. Neben der Flussrenaturierung nutzt die Bank die Emissionserlöse zur Refinanzierung ihrer Förderprogramme „Effizienzkredit“ und „Elektromobilität“. Unternehmen können aus diesen Fördertöpfen zinsverbilligte Darlehen zur Steigerung ihrer Energieeffizienz und für Forschungsprojekte im Bereich Elektromobilität erhalten.

Markt für grüne Anleihen boomt

Mit ihrer ersten Umweltanleihe hat die NRW.Bank Neuland betreten. Green Bonds sind eine noch relativ junge Anlageform. Die verzinslichen Wertpapiere dienen der Geldbeschaffung für Umwelt- und Klimaschutzvorhaben. Ihre Premiere hatten sie 2008, als die Weltbank begann, damit Umweltprojekte in Entwicklungsländern zu finanzieren. Seit 2013 boomen Angebot und Nachfrage. Im vergangenen Jahr gaben internationale Entwicklungsbanken, Unternehmen und Regierungen grüne Anleihen im Wert von insgesamt elf Milliarden US-Dollar heraus. Für 2014 prognostizieren die Climate Bonds Initiative und die Investmentbank HSBC ein Neuvolumen von 40 Milliarden US-Dollar, das 2015 auf 100 Milliarden US-Dollar steigen soll.

Die Entwicklung kommt nicht überraschend: „Immer mehr Unternehmen möchten ihr Geld ökologisch sinnvoll und nachhaltig investieren. Denn das ist es, was Kunden und Geschäftspartner heute erwarten“, betont Dietmar P. Binkowska von der NRW.Bank. Das niedrige Zinsniveau kurbelt die Investorennachfrage nach den grünen Bonds zusätzlich an. Und das zur rechten Zeit, denn die Erlöse der Öko-Anleihen werden dringend benötigt. Laut der Internationalen Energieagentur sind bis 2035 weltweit Investitionen in Höhe von 53 Billionen US-Dollar in die Energieversorgung nötig, um den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen, wie es die internationale Klimapolitik anstrebt. Als Folge der Finanzkrise fällt es Unternehmen der Erneuerbaren-Energien-Branche aber zunehmend schwer, von Geschäftsbanken Kredite zu erhalten. Green Bonds könnten nach Einschätzung der Climate Bonds Initiative einen Teil des nötigen Kapitals liefern.

Das sehen auch immer mehr Banken so. Die NRW.Bank ist nicht die einzige deutsche Förderbank, die sich am grünen Kapitalmarkt engagiert. Die Landwirtschaftliche Rentenbank, die im Auftrag des Bundes die Agrarwirtschaft fördert, hat 2013 erstmals einen Renewable Energy Bond in Höhe von 65 Millionen Euro herausgegeben. Das Angebot richtet sich an Anleger, die an einem ökologischen und sozialverantwortlichen Investment interessiert sind. Es wird nur bei entsprechender Nachfrage emittiert. Die Rentenbank setzt die aufgenommenen Mittel zur Förderung von Windkraft, Photovoltaik und Biogas ein.

KfW-Bank überzeugt Investoren

Für Aufsehen sorgte in diesem Sommer die KfW-Bank. Die bundeseigene Förderbank brachte einen Green Bond in Höhe von 1,5 Milliarden Euro in Verkehr. Er zählt zu den bislang größten Neuemissionen in diesem Marktsegment. Die Anleihe hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Da die Stückelung bei kleinanlegerfreundlichen 1.000 Euro liegt, spricht die KfW nicht nur institutionelle sondern auch private Interessenten an. „Für die erste Emission eines Green Bond hatten wir uns ein Volumen von 500 Millionen Euro vorgestellt“, sagt Horst Seissinger, der Leiter des Kapitalmarktgeschäfts der KfW-Bankengruppe. Doch das Interesse überstieg bei weitem das Angebot. Das Orderbuch wuchs innerhalb kurzer Zeit auf ein Volumen von über 2,65 Milliarden Euro. „Wir haben uns dann rasch für ein höheres Emissionsvolumen von 1,5 Milliarden Euro entschieden – zur Zufriedenheit der Investoren, denn die anhaltende Nachfrage hat zwischenzeitlich zu einer spürbaren Kurssteigerung geführt“, sagt Seissinger.

Mit der Ausgabe der Green Bonds baut die KfW ihre Position als einer der weltweit größten Finanzierer von Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen weiter aus. Die Erlöse des Green Bonds kommen unmittelbar dem KfW-Förderprogramm „Erneuerbare Energien Standard“ zugute. Die KfW vergibt in diesem Programm an Privatleute und Unternehmen zinsgünstige Kredite für Vorhaben zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Dazu zählen Photovoltaikanlagen und Windkraftanlagen an Land. Laut KfW lassen sich mit einer Investitionssumme von einer Million Euro pro Jahr 800 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid einsparen. Ob dieser Effekt eintritt, wird das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) regelmäßig prüfen. Das unabhängige norwegische Forschungscenter Cicero zertifiziert darüber hinaus das Green-Bond-Konzept. „Damit haben wir einen neuen Marktstandard gesetzt“, betont Seissinger.

Sowohl die NRW.Bank als auch die KfW-Bank wollen künftig weitere grüne Anleihen platzieren. Die NRW.Bank will ihren zweiten Green Bond voraussichtlich noch vor Ende des Jahres emittieren. Die KfW-Bank plant derzeit einen Green Bond in US-Dollar und befindet sich derzeit in Gesprächen mit US-Investoren.

Almut Bruschke-Reimer